Archiv für die Kategorie ‘Wissenschaft & Forschung’

Historische medizinische Instrumente

Mittwoch, 15. Juli 2009 |

Ein wenig schauerlich sind sie ja schon, die Instrumente der medizinischen Vorzeit. Aber ein interessanter Eintrag auf der ansonsten eher nicht so wichtigen Seite mit Surgical Technology Schools in den Staaten.
Bei dem Eintrag handelt es sich um den ersten Eintrag des Firmenblogs “Vital Signs” vom 30.06. – mal sehen, welche Lebenszeichen uns in der nächsten Zeit dort noch erwarten. Die eigenen Angaben zur der Seite lesen sich ja ganz vielversprechend:

Vital Signs is focused on the fields of surgery, advanced medicine and specialized health care, finding news, curiosities and valuable advice to share with readers. Feel free to share your medical discoveries with us, or leave your feedback in the comment sections.

Jetzt aber der Link:

Für alle, die es nicht erwarten können, wann es dort wieder Neuigkeiten geben wird, hier der RSS-Feed.

Viel Spaß beim Schauern…. ;)

Spitzhörnchen im Alkoholrausch – Alkohol evolutionär älter als bisher gedacht

Montag, 4. August 2008 |

Bild: Annette Zitzmann

Nein, ich will nicht sagen, das malaysische Federschwanz-Spitzhörnchen (Ptilocercus lowii) [engl. pen-tailed tree shrew] ist der Trunksucht anheim gefallen – das wäre viel zu sehr in menschlichen Kategorien gedacht. Aber es lässt sich festhalten, dass das nachtaktive Tier jede Nacht auf Trunktour geht und dabei keinen Schaden zu nehmen scheint.
Der Lieblingsgetränk des putzigen Nagers ist der fermentierte (und damit alkoholhaltige) Nektar aus einem Palmengewächs (Bertam-Palme; botanischer Name: Eugeissona tristis) im Urwald von Südthailand und Malaysien, wo auch das Spitzhörnchen lebt. Dieser Nektar weist einen Alkoholgehalt von etwa 3,8 % auf, ist also mit einem handelsüblichen Bier oder einer leichten Weinschorle vergleichbar.

Bild: Frank Wiens

Bild: Frank Wiens

 

Das alles hat kürzlich eine Forschergruppe der Universität Bayreuth heraus gefunden, die das Nahrungsverhalten dieses – evolutionär alten – aber im Lichte der (wissenschaftlichen) Öffentlichkeit recht neuen Säugetiers untersuchen wollte. Quasi als Nebenprodukt dieser Untersuchung kam heraus, dass die Federschwanz-Spitzhörnchen über eine effiziente biochemische Maschinerie zum Abbau von Alkohol verfügen müssen, da sie immer wieder beim Trinken des “Palmbieres” beobachtet wurden. Wie der Alkohol genau metabolisiert wird, ist hierbei noch unklar – jedoch interessant, da vermutet wird, dass das Federschwanz-Spitzhörnchen als Modellorganismus für die ersten auf der Erde lebenden Primaten dienen könnte. Damit wären wir Menschen auch in einem relevanten Maße mit diesem kleinen Trinker des Tierreichs verwandt und man kann nun vermuten, dass wir die Fähigkeit im Alkohol umzugehen evolutionär gesehen “nur verlernt” bzw. verloren haben.

Alkohol scheint auf der Erde damit viel älter zu sein als bisher vermutet – galt doch bis heute das Paradigma, die Kunst des Bierbrauens habe diesen erst in großem Maße hervor gebracht, kann man nun getrost von dieser Annahme Abstand nehmen. Die lange Koexistenz der Spitzhörnchens und der Bertam-Palme beweist die Evolution war auch dort schneller als wir…

Die Frage welchen Vorteil diese Tierchen – die übrigens nicht die einzigen sind, die von dem Palmbier trinken – nun davon haben, dass sie ohne sichtlich berauscht zu sein, “Bier” konsumieren bleibt für die Zukunft zu klären.

Vielleicht eröffnet die zukünftige Forschung auch für den Menschen relevante Ergebnisse, die helfen der großen Gruppe alkohlkranker Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt ein Stück Gesundheit zurück zu geben.

Cheers,
Biboff.


Links:

  • Now That’s a Party Animal – gesehen auf: ScienceNOW
  • WIKIPEDIA-Eintrag zu “Ptilocercus lowii”
  • Interview mit dem Erstautor der Studie FrankWiens (Uni Bayreuth) auf der Website der ZEIT – mit Video!
  • PDF-Dokument der PNAS-Veröffentlichung “Chronic intake of fermented floral nectar by wild treeshrews”
  • China besiegt die USA: bessere Förderung früher mathemathischer Fähigkeiten

    Freitag, 1. August 2008 |

    abacus Zwei interessante Veröffentlichungen aus der letzten Zeit dürften Wasser auf die Mühlen von eher technikfeindlichen Pädagogen sein:

    - Psychologen haben die mathematischen Fähigkeiten von Kindergartenkindern (63-75 Monate alt; Median: 67-68 Montate) untersucht in China und den USA untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die eher “Low-Tech” gewohnten Kinder aus China durchschnittlich besser abschnitten in beiden durchgeführten Test, als Kinder aus den USA, die wohl schon von frühester Kindheit an “High-Tech” gewohnt sind und mit/an Computern spielen. Die beiden durchgeführten Tests beinhalteten die Addition einstelliger Zahlen und das Ordnen von Zahlen aus einer Zahlenreihe (zufällig ausgewählte Items) in deren korrekte arithmetische Reihenfolge.

    Hierbei zeigte sich, dass chinesische Kindergartenkinder höchst signifikant (p<0,01) weniger Fehler machen als ihre “Kollegen” in den Staaten. Zu den Details kann man (noch) einen Blick in die Veröffentlichung werfen – das mag nach der Veröffentlichung auch nicht mehr funktionieren.

    Chinese Children Excel on Novel Mathematics Problems Even Before Elementary School
    Robert S. Siegler and Yan Mu
    in: Psychological Science 19, 633 (2008) – August 2008, ePub, in Press

    Bereits zuvor ist vom gleichen Wissenschaftler eine ähnliche Untersuchung veröffentlicht worden, die sich mit den mathematischen Fähigkeiten von amerikanischen Vorschulkindern (medianes Alter: 5,4 Jahre) beschäftigt. Hierbei wurden explizit Kinder untersucht, die einen niedrigen sozioökonomischen Status haben und es wurde “analoges” Spielzeug (ein mathematisches Zahlen-Brettspiel) verwendet, das in dieser Testreihe über 9 Wochen für eine Zeit von 1 Stunde täglich gespielt wurde. Die “Placebo-Gruppe” aus Klassenkameraden spielten ein identisches Spiel, das allerdings auf Farb- statt auf Zahlenbasis aufgebaut ist und zeigte nach der Testphase keine Verbesserung ihrer mathematischen Fähigkeiten.

    Promoting Broad and Stable Improvements in Low-Income Children’s Numerical Knowledge Through Playing Number Board Games
    Geetha B. Ramani, Robert S. Siegler
    in: Child Development. Volume 79(2), pp. 375 – 394

    Interessant sind diese Ergebnisse auf jeden Fall auch für uns Deutsche bzw. Europäer, die wir uns wenn auch stets mit einer gewissen Zeitverzögerung, an unseren “Nachbarn” aus den USA orientieren – sowohl im Guten, wie leider auch im Schlechten. Was die Beschäftigung mit unserem Nachwuchs angeht sollten wir uns stattdessen vielleicht etwas mehr an den Chinesen orientieren, bei denen es wohl eher gang und gäbe ist, mit seinem Kindern auch einfache arithmethische Rätsel zu lösen oder einfach nur das Zählen (eigentlich ja auch nur eine “einfache Additionsreihe”) zu üben.
    Darüberhinaus scheint eine allgemeine “Technologisierung der Kindheit” sich nicht günstig auf die frühe Entwicklung auszuwirken – hierbei möchte ich jedoch mal explizit sog. “Lernprogramme” ausnehmen, die (auch wenn nicht alle gut sind!) im Großen und Ganzen eher als positiv zu bewerten sind, jedoch nicht für Kinder mit einem niedrigen sozioökonomischen Status in Frage kommen, da die dazugehören Devices stets auch eben wieder Geld kosten. Was jedoch kein Geld kostet ist die Beschäftigung mit seinem Kind und das eben auch im Üben mathematischer Grundlagen, die das spätere Leben des Nachwuchses erheblich verbessern können – von der intelltuellen Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen. Ein hohes intellektuelles Leistungsniveau ist in unseren Landen (noch) positiv korreliert mit dem sozioökonomischen Status. So lange das so ist und vielleicht bleibt, ist jede Beschäftigung mit Ihrem Kind eine Investition in die Zukunft!
    Wenn Sie sich jetzt fragen, wo ist die Relevanz der mathematischen Fähigkeiten für die Lebensfähigkeit des einzelnen Individuums, dann frage ich zurück: Wann haben Sie sich das letzte Mal in der Bäckerei darüber geärgert, dass die Bäckereifachverkäuferin schneller im Kopf addierte als Sie das mit Ihrem wahlweise Palm/PDA/Mobiltelefon konnten?

    Also lieber Abakus statt Nintendo WII / Playstation 2, 3 / Xbox 360 ?

    Mir persönlich missfällt ein früher Einsatz des Computers in allen seinen Erscheinungsformen – ob als Handy, Spielekonsole, DVD-Player oder eben Heim-PC – nicht unbedingt, wenn er denn nur spielerisch genug ist. Nicht zuletzt sind ja in anderen Untersuchungen auch positive Einflüsse der modernen Medien und Informationstechnologien auf die individuelle und auch die kulturelle Entwicklung berichtet worden, denen man sich nicht verschließen sollte.

    Hierzu möchte ich an dieser Stelle auch gerne einen Buchtipp los werden:

    [asa]3593381613[/asa]


    • Einstiegsbild: mrjorgen auf flickr.com

    Protein im Speichel beschleunigt Wundheilung

    Freitag, 25. Juli 2008 |

    Eine Online-Veröffentlichung auf der Seite der Federation of American Societies for Experimental Biology aus deren Journal J Faseb (Impact Factor: ~ 6,7) löst ein weiteres langjähriges Rätsel aus der Welt der Medizin & Wissenschaft: “Warum steckt man sich einen blutenden Finger instinktiv direkt in den Mund?” (weiterlesen …)

    In dubio pro Kaffee: Freispruch für das schwarze Gold

    Dienstag, 15. Juli 2008 |

    Eine gute Nachricht ist auf der Seite der renommierten Zeitschrift NATURE zu lesen. Es ist keine überragende Neuigkeit, dass Schlafentzug viele negative Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Dazu gehören unter anderen eine erhöhte Anfälligkeit für Unfälle, verminderte Konzentrationsfähigkeit und verminderte Merkfähigkeit.
    Dem letzteren hat sich eine deutsche Forschergruppe von der Universität Lübeck angenommen und anhand dieses Parameters die Auswirkungen von Koffein auf den übermüdeten Organismus untersucht. Während dieser Studie wurde Probanden die Aufgabe gestellt, sich kurze Wortlisten zu merken, nachdem sie entweder eine Nacht schlafend verbracht oder in einer anderen Gruppe durchgemacht haben. Dabei war festzustellen, dass  diejenigen Probanden, die die Nacht vor dem Experiment nicht geschlafen hatten, signifikant häufiger Fehler beim Aufsagen der Wortliste machten als diejenigen Probanden, die die Nacht zuvor geschlafen hatten.

    Das alleine ist keine bahnbrechende Erkenntnis, das mag ich gerne eingestehen. In einer zweiten Testreihe wurde nun aber den übermüdeten Probanden eine Stunde vor dem Experiment Kaffee gereicht. Im darauf folgenden Experiment sank nun die Fehlerquote beim Aufsagen der Wortliste erneut signifikant.

    Darauf folgt nun die Annahme, dass Kaffee (namentlich das darin enthaltene Koffein) eine positive Wirkung auf ein korrektes Erinnerungsvermögen hat. Koffein könnte Erinnerungen, die wir wohl unzugänglich und/oder fehlerhaft (aufgrund der Übermüdung) gespeichert haben, wieder zugänglich machen und dem Gehirn dabei helfen, solche Brüchstücke zu sinnvollen Erinnerungen zusammen zu setzen.

    Dieses ist nun eine wichtige Erkenntnis, vor allem für diejenigen Leserinnen und Leser, die dies hier mit einer Tasse Kaffee in der Hand gerade lesen. Allerdings kann ich jetzt nicht sagen, wie viel davon Sie sich nun behalten können…..

    Prost,
    Biboff.


    Links: http://www.nature.com/news/2008/080714/full/news.2008.953.html
    http://www.flickr.com/photos/ahmedrabea/ [Photo der Kaffee-Tasse von Ahmed Rabea]


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