Archiv für die Kategorie ‘Literatur’

Alltagsflucht: “Nicht mein Tag” von Ralf Husmann

Dienstag, 5. August 2008 |

 

Ich will mich jetzt nicht an den Artikel aus dem SPIEGEL von gestern anhängen. Habe nur zufällig gerade den Roman zu Ende gelesen und wollte hier meine Gedanken zu “Nicht mein Tag” von Ralf Husmann niederschreiben.

Ein ganz nettes Buch im Stil der “neuen deutschen Comedy” – Gagschreiber der einschlägigen Sendeformate schreiben ihre Gags in einem Roman nieder…. ein schöner Trend für all diejenigen, die wie ich gerne sehr lustig-unterhaltsame Literatur lesen und es mögen, beim Lesen zu lachen, oder zumindest zu schmunzeln!
Leider kommt Ralf Husmann nicht an seinen “Vorgänger” Tommy Jaud heran, dessen Bücher (mittlerweile sind es drei!) ich auch in einem viel schnelleren Tempo durchgelesen habe, da ich diese einfach noch weniger zur Seite legen konnte.

“Nicht mein Tag” handelt von dem Bankangestellten Till Reiners, gefangen in der (klein-)bürgerlichen Tristesse seines Jobs in der Osthofener Filiale einer großen deutschen Bank und seiner Kleinfamilie (Frau Miriam und Sohn Nico). Die einzige “Rebellion”, die er sich in sein bürgerliches Leben gerettet hat, ist die Erinnerung an seine Band “Copyright” (er war/ist Gitarrist) und die gelegentlichen Auftritte als Unterhalter mit Gitarre, z.B. auf der Geburtstagsfeier des Filialleiters. Till träumt von einem Leben, das anders ist – nur wie, das weiß er nicht. Er träumt von einer anderen Frau, der jüngeren, kecken Kolleegin Jessica und davon, einfach erstmal mit ihr durchzubrennen. Der Rest würde sich schon ergeben.
Der Rest ergibt sich auch eines Tages als sich das Leben von Till mit einem Schlag ändert und er ein wenig wie der Revoluzzer wird, der er gerne gewesen wäre. Ein Bankräuber nimmt ihn als “Geisel” mit auf eine Odyssee, die sie beide durch die westdeutsche Provinz um Osthofen, Holland und schließlich Frankreich führt. Auf diesem Wege entwickelt sich Till immer weiter weg von seinem Spießertum, so dass sogar eine junge Frau an ihm Gefallen findet und sich in seine Arme wirft – letztenendes aber doch wieder nicht “ganz”…..

Dieses “letztenendes-doch-nicht-ganz”-sein ist so ein wenig das Leitmotiv in diesem Werk, das sich von der ersten bis zur letzten Seite verfolgen lässt. Ein wenig wehmütig schleppt sich Till Reiners durch sein tristes Leben, ein Ying ohne Yang. Ein wenig wie ein Zwilling, dem seine Eltern nicht gesagt haben, dass er einen Zwillingsbruder hat, der allerdings bei der Geburt verstorben ist…  Er hat eine Idee davon, dass etwas fehlt, kann jedoch nicht beschreiben, was das sein könnte.

Alles in allem ist der Roman “Nicht mein Tag” von Ralf Husmann unterhaltsam geschrieben, wenn auch an manchen Stellen vielleicht etwas zu vorhersehbar und an anderen dafür etwas zu weit hergeholt und ausschweifend. Meines Erachtens reicht er aber nicht an die Klasse eines Tommy Jaud heran, der mir etwas handwerklich solider erscheint. Jedenfalls wenn man die Stoffe liest, bei einer (möglichen!) Verfilmung (und ich denke, die wird kommen!) könnte sich dieser literarische Nachteil allerdings ausmerzen lassen, da das Grundsujet des Romans (ein Ausbrechen aus dem Jetzt ohne die Idee des Wohin!) topaktuell in unsere heutigen Zeit zu sein scheint und ja auch in mir eine Resonanz gefunden hat.

Drei dieser tief-nachdenklichen Teststellen ohne jedes Pathos und von tiefreichender Einsicht möchte ich hier gerne zitieren (wobei sich an der ersten zumindest in meiner Ausgabe ein kleiner Druckfehler eingeschlichen zu haben scheint, deshalb hab ich den fehlenden Artikel mal ergänzt!):

Fast nie hat der Alltag den richtigen Soundtrack. Das Leben sollte mehr so sein wie [ein] Gary Rafferty Song, ist aber bestenfalls Peter Maffay.

Diese Textstelle zeugt auch von der Wichtigkeit, die Till Reiners der Musik beimisst, die er so vermisst und der er so wehmütig nachweint seit sein als Teenie selbst-komponiertes und professionell produziertes “Renate, ich warte!” nicht den gewünschten Erfolg zeigte und sich Renate schlichtweg unbeeindruckt zeigte!

Es gibt kein Glückskonto, auf das man gute Momente einzahlt, und vom dem man im Bedarfsfall wieder was abheben kann.

Vielleicht eine Einsicht, die Till Reiners als Bankangestellter hatte, dem die Symbolsprache mit “Konto”, “einzahlen” und “abheben” ja vielleicht vertrauter ist als uns…

Tagsüber zufrieden zu sein ist einfach. Nachts, wenn man wehrlos im Bett liegt, rückt einem die Wahrheit auf den Pelz.

Ein Satz, den wahrscheinlich viele Menschen so unterschreiben würden.

Einen deutlichen Vorteil des Buches, den man sonst so nicht erkennen kann, wenn man z.B. online (auch bei mir über AMAZON möglich) einkauft, will ich nicht verschweigen: Das Buch ist vom Textfluss in (zum überwiegenden Teil) überschaubare “appetitlich” kurze Kapitel gegliedert, die einen unterhaltsamen Lesespaß auch im Bett vor dem Schlafen nach einem anstrengenden Tag (z.B. als Bankangestellter irgendwo in Deutschland) möglich machen. So bleibt ein weites Zurückblättern am nächsten Tag – um den Anschluss nicht zu verlieren – erspart, wenn einen beim Lesen dann doch der Schlaf übermannt hat. Was aber, das will ich ausdrücklich noch einmal betonen, nicht am Autor liegen kann, dazu ist das Buch dann doch zu temporeich….

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“Gedankendialog” auf gedankendialog.de – lyrisches Webfundstück

Montag, 4. August 2008 |

Ja, ich gebe es ja zu: hin und wieder ist natürlich schon “ego-googlen” angesagt. Schließlich muss man ja von Zeit zu Zeit eine mediale Standortbestimmung durchführen und einschlägige Suchergebnisse recherchieren.

Bei der letzten derartigen Session habe ich eine interessante Entdeckung gemacht. Eine “Webperle” sozusagen. Dabei handelt es sich um ein Gedicht von Wolfgang Scholmanns mit den wunderschönen Titel “Gedankendialog” ;) – das ich gerne (mit Genehmigung des Autors hier veröffentlichen möchte:

Gedankendialog

Ich habe dir
die Sonne gezeigt
sagte der Himmel.

Ja aber die
Sonne zeigte mir
ihr Schattenland
in dem
die Einsamkeit
Trauertränen
schwitzt.

(c) Wolfgang Scholmanns

An dieser Stelle verzichte ich auf die obligatorische Frage, was uns der Autor damit sagen wollte oder auf eine ausschweifende Gedichtinterpretation à la gymnasiale Oberstufe – zu lang ist’s her. Aber das Kernmotiv der Einsamkeit möchte ich an dieser Stelle aufgreifen und sagen, gedankendialog.de begreift sich als eine Plattform zum gegenseitigen Austausch – sowohl meiner Gedanken miteinander (darum der Name) als auch von meiner Seite mit meinen Leserinnen und Lesern…

Das sollte helfen, die Einsamkeit ein Stückchen weiter von der Welt zu verdrängen und sie für uns alle sonniger zu machen, dass wir alle aus dem “Schattenland” heraus finden!!!

Biboff.


Links:

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GEDANKENDIALOG ist das private Blog von Christoph Merz. Hier blogge ich über die Themen, die die Welt und mich in ihr bewegen. Mehr über mich

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