Archiv für die Kategorie ‘Geisteswissenschaften’

China besiegt die USA: bessere Förderung früher mathemathischer Fähigkeiten

Freitag, 1. August 2008 |

abacus Zwei interessante Veröffentlichungen aus der letzten Zeit dürften Wasser auf die Mühlen von eher technikfeindlichen Pädagogen sein:

- Psychologen haben die mathematischen Fähigkeiten von Kindergartenkindern (63-75 Monate alt; Median: 67-68 Montate) untersucht in China und den USA untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die eher “Low-Tech” gewohnten Kinder aus China durchschnittlich besser abschnitten in beiden durchgeführten Test, als Kinder aus den USA, die wohl schon von frühester Kindheit an “High-Tech” gewohnt sind und mit/an Computern spielen. Die beiden durchgeführten Tests beinhalteten die Addition einstelliger Zahlen und das Ordnen von Zahlen aus einer Zahlenreihe (zufällig ausgewählte Items) in deren korrekte arithmetische Reihenfolge.

Hierbei zeigte sich, dass chinesische Kindergartenkinder höchst signifikant (p<0,01) weniger Fehler machen als ihre “Kollegen” in den Staaten. Zu den Details kann man (noch) einen Blick in die Veröffentlichung werfen – das mag nach der Veröffentlichung auch nicht mehr funktionieren.

Chinese Children Excel on Novel Mathematics Problems Even Before Elementary School
Robert S. Siegler and Yan Mu
in: Psychological Science 19, 633 (2008) – August 2008, ePub, in Press

Bereits zuvor ist vom gleichen Wissenschaftler eine ähnliche Untersuchung veröffentlicht worden, die sich mit den mathematischen Fähigkeiten von amerikanischen Vorschulkindern (medianes Alter: 5,4 Jahre) beschäftigt. Hierbei wurden explizit Kinder untersucht, die einen niedrigen sozioökonomischen Status haben und es wurde “analoges” Spielzeug (ein mathematisches Zahlen-Brettspiel) verwendet, das in dieser Testreihe über 9 Wochen für eine Zeit von 1 Stunde täglich gespielt wurde. Die “Placebo-Gruppe” aus Klassenkameraden spielten ein identisches Spiel, das allerdings auf Farb- statt auf Zahlenbasis aufgebaut ist und zeigte nach der Testphase keine Verbesserung ihrer mathematischen Fähigkeiten.

Promoting Broad and Stable Improvements in Low-Income Children’s Numerical Knowledge Through Playing Number Board Games
Geetha B. Ramani, Robert S. Siegler
in: Child Development. Volume 79(2), pp. 375 – 394

Interessant sind diese Ergebnisse auf jeden Fall auch für uns Deutsche bzw. Europäer, die wir uns wenn auch stets mit einer gewissen Zeitverzögerung, an unseren “Nachbarn” aus den USA orientieren – sowohl im Guten, wie leider auch im Schlechten. Was die Beschäftigung mit unserem Nachwuchs angeht sollten wir uns stattdessen vielleicht etwas mehr an den Chinesen orientieren, bei denen es wohl eher gang und gäbe ist, mit seinem Kindern auch einfache arithmethische Rätsel zu lösen oder einfach nur das Zählen (eigentlich ja auch nur eine “einfache Additionsreihe”) zu üben.
Darüberhinaus scheint eine allgemeine “Technologisierung der Kindheit” sich nicht günstig auf die frühe Entwicklung auszuwirken – hierbei möchte ich jedoch mal explizit sog. “Lernprogramme” ausnehmen, die (auch wenn nicht alle gut sind!) im Großen und Ganzen eher als positiv zu bewerten sind, jedoch nicht für Kinder mit einem niedrigen sozioökonomischen Status in Frage kommen, da die dazugehören Devices stets auch eben wieder Geld kosten. Was jedoch kein Geld kostet ist die Beschäftigung mit seinem Kind und das eben auch im Üben mathematischer Grundlagen, die das spätere Leben des Nachwuchses erheblich verbessern können – von der intelltuellen Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen. Ein hohes intellektuelles Leistungsniveau ist in unseren Landen (noch) positiv korreliert mit dem sozioökonomischen Status. So lange das so ist und vielleicht bleibt, ist jede Beschäftigung mit Ihrem Kind eine Investition in die Zukunft!
Wenn Sie sich jetzt fragen, wo ist die Relevanz der mathematischen Fähigkeiten für die Lebensfähigkeit des einzelnen Individuums, dann frage ich zurück: Wann haben Sie sich das letzte Mal in der Bäckerei darüber geärgert, dass die Bäckereifachverkäuferin schneller im Kopf addierte als Sie das mit Ihrem wahlweise Palm/PDA/Mobiltelefon konnten?

Also lieber Abakus statt Nintendo WII / Playstation 2, 3 / Xbox 360 ?

Mir persönlich missfällt ein früher Einsatz des Computers in allen seinen Erscheinungsformen – ob als Handy, Spielekonsole, DVD-Player oder eben Heim-PC – nicht unbedingt, wenn er denn nur spielerisch genug ist. Nicht zuletzt sind ja in anderen Untersuchungen auch positive Einflüsse der modernen Medien und Informationstechnologien auf die individuelle und auch die kulturelle Entwicklung berichtet worden, denen man sich nicht verschließen sollte.

Hierzu möchte ich an dieser Stelle auch gerne einen Buchtipp los werden:

[asa]3593381613[/asa]


  • Einstiegsbild: mrjorgen auf flickr.com

Willkommen auf gedankendialog.de

GEDANKENDIALOG ist das private Blog von Christoph Merz. Hier blogge ich über die Themen, die die Welt und mich in ihr bewegen. Mehr über mich

Immer auf dem neuesten Stand sein?

 Mit einem Feed-Reader abonnieren oder via E-Mail:
Deine Emailadresse:  
Finde Einträge: